Neue TRGS 800 Brandschutzmaßnahmen

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Seien Sie froh, dass Sie in diesem Moment keine Zeitung lesen, sondern auf einen Monitor schauen, denn so haben Sie keinen Gefahrstoff in der Hand. Ob Sie es glauben oder nicht: „Papier“ gilt seit Januar 2011 offiziell als Gefahrstoff.

Die am 31. Januar 2011 im Gemeinsamen Ministerialblatt veröffentlichte „Technische Regel für Gefahrstoffe 800 – Brandschutzmaßnahmen“ umfasst nicht nur entzündliche, leicht- und hochentzündliche Gefahrstoffe mit den R-Sätzen R10 – R12, sondern alle brennbaren Gefahrstoffe wie zum Beispiel Papier.

Wer sich nie den Unterschied zwischen entzündlich und brennbar merken konnte, der hat es jetzt gut. Denn „brennbar“ ist im Grunde umfassender und leichter verständlich als der Begriff „entzündlich“ der an den Begriff „Flammpunkt“ gekoppelt ist. Der Begriff „brennbar“ ist jetzt Grundlage sowie Dreh- und Angelpunkt der komplett neuen TRGS 800. Sie hat keinen Vorgänger. Wer sich darüber hinaus immer gefragt hat, wann die alten VbF-AIII Stoffe wieder kommen, hat nun die Antwort: Jetzt! In der neuen TRGS 800 sind alle brennbaren Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt > 60°C erfasst. Ich glaube nicht, dass die Erderwärmung der Anlass dafür war, sondern eher die neue GHS-VO, auch CLP-VO genannt.

Was kommt auf die Unternehmen sowie Einrichtungen des öffentlichen Dienstes zu? Die Pflicht, eine schriftliche Gefährdungsbeurteilung für brennbare Gefahrstoffe zu erstellen. So steht es in Ziffer 6 der TRGS 800. In Ziffer 3 „Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung“ wird dazu eine Hilfestellung gegeben. Sie wird ergänzt durch die in Anlage 2, in der potenzielle Zündquelle aufgeführt werden. Diese werden eingeteilt in Wärmeenergie, elektrische Energie, mechanische Energie sowie in chemische Energie. Zu den Zündquellen durch chemische Energie gehören auch katalytische Reaktionen sowie durchgehende exotherme Reaktionen. In Ziffer 4 werden Brandschutzmaßnahmen beschrieben, die sogar tabellarisch unterteilt werden in normale Brandgefährdung, erhöhte Brandgefährdung sowie hohe Brandgefährdung. Hier setzt sich das Schutzstufenkonzept der alten GefStoffV sowie der BioStoffV fort – zumindest ist dies mein erster Eindruck.

Wer auf die Idee kommt, jetzt loszulegen und eine Gefährdungsbeurteilung incl. Auflistung der Schutzmaßnahmen zu erstellen, der sollte zuvor in die Anlage 1 „notwendige Kenntnisse zur fachkundigen Durchführung der Gefährdungsbeurteilung“ werfen, ob er oder sie dazu gehört. Darüber hinaus ist in Ziffer 5 die regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen gefordert. Es wird eigens erwähnt, dass die technischen Schutzmaßnahmen letztlich nur durch einen Brand wirksam überprüft werden können. Allerdings ist diese Art der Überprüfung glücklicherweise auch nach der neuen TRGS 800 verboten. Vielmehr wird eine Plausibilitätsprüfung verlangt, die zunächst einmal nicht so gefährlich ist, vor allem, weil es dazu auch eine Prüfliste in der Anlage 3 gibt.