August 2015 – Entwicklungen im Arbeitsschutz

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Im August 2015 gab es insgesamt nur fünf geänderte oder neue Regelwerke im Arbeitsschutzrecht. Neben Gefahr- und Biostoffen ging es um Lokomotiven.

Eine Neuregelung und vier Änderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz wurden im August 2015 veröffentlicht. Hier zunächst die Übersicht:

  • TRGS 410Expositionsverzeichnis bei Gefährdung gegenüber krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A oder 1B“ (Neuregelung);
  • TRBA 466 „Einstufung von Prokaryonten (Bacteria und Archaea) in Risikogruppen (Änderung);
  • DGUV Information 201-022 „Handlungsanleitung für die Arbeit mit Geräten zur provisorischen Rohrabsperrung“ (Änderung);
  • DGUV Information 214-085 „Anforderung des Arbeitsschutzes an Lokomotiven“ (Achtung – Diese Datei ist sehr groß. Daher dauert es einige Zeit, bis sie heruntergeladen ist);
  • DIN EN 1808 „Sicherheitsanforderungen an hängende Personenaufnahmemittel„.

Nun folgenden Erläuterungen zu den einzelnen Änderungen und Neuerungen im August 2015.

Hintergrund-Informationen zur TRGS 410 „Expositionsverzeichnis bei Gefährdung gegenüber krebserzeugenden oder keimzellenmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A oder 1B“:

Die TRGS 410 ist eine Neuregelung. Sie erläutert Pflichten der Gefahrstoffverordnung zu KMR-Stoffen. Diese sind nach der CLP-Verordnung in verschiedene Kategorien eingeteilt.

  • Krebserzeugende Gefahrstoffe der Kategorie 1A der CLP-Verordnung entsprechen der alten Kategorie Karz. Kat.1 der früheren Gefahrstoffverordnung mit R 45 (bekanntermaßen krebserregend, Nachweis beim Menschen erbracht).
  • Die Kategorie 1B nach CLP – Verordnung entspricht der alten Gefahrstoffkategorie Karz. Kat. 2 mit R 49 (begründeter Verdacht bzw. klarer Nachweis im Tierexperiment).
  • Keimzellmutagene Stoffe 1A nach CLP entsprechen der alten Muta.Kat 1 mit R 46 alter GefStoffV.
  • Keimzellmutagene Stoffe 1B nach CLP-Verordnung entsprechen der bisherigen Muta.Kat 2, ebenfalls mit R 46 der alten Gefahrstoffverordnung.

Zur Erinnerung: Die „neue“ europäische CLP-Verordnung bewertet die Gefährlichkeit von Gefahrstoffen in bis zu vier Kategorien, wobei die Kategorie 1 jeweils die höchste Gefährdungsstufe darstellt. Die alte Kategorie Karz. Kat. 3 nach alter Gefahrstoffverordnung entspricht der neuen CLP-Kategorie 2 bei CMR-Stoffen. CMR-Stoffe waren bisher mit einem Totenkopf-Symbol zu kennzeichnen, während für CLP 1A und 1B nunmehr nach CLP das Gefahrensymbol „Gesundheitsgefahr“ gilt. Eine sehr gute Umwandlungshilfe ins neue CLP-System ist das GHS-Poster der BAUA (Link) zum Thema Gesundheitsgefahren. Die Begriffe „keimzellmutagen“ und „mutagen“ sind identisch. Die neue TRGS 410 gilt nicht für reproduktionstoxische (fortpflanzungsschädigende) Stoffe.

Hintergrund-Informationen zur TRBA 466 „Einstufung von Prokaryonten (Bacteria und Archaea) in Risikogruppen“: Die Technischen Regel für biologische Arbeitsstoffe 466 gilt für biotechnologische Labors und Betriebe, Einrichtungen des Gesundheitsdienstes, Land- und Forstwirtschaft, Abwasser- und Abwasserbetriebe und andere, die mit Bakterien und ähnlichen Mikroorganismen umgehen. Prokaryonten sind einzellige Lebewesen ohne echten Zellkern. Archaea werden auch Urbakterien genannt. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden sie noch zu den Bakterien gezählt. Doch ungefähr seit den 1990er Jahren gelten sie als eigenes Reich (Domäne). Sie unterscheiden sich äußerlich kaum von Bakterien, kommen aber in extremen Medien wie heißen Wässern, Säuren und ähnlichen vor.

Nach § 3 BioStoffV sind Biostoffe, also Mikroorganismen und ähnliche „Stoffe“ in Risikogruppen einzustufen. Genau wie in der CLP-Verordnung für Gefahrstoffe gibt es vier Kategorien, jedoch stellt bei der BioStoffV die Ziffer 1 nicht die höchste, sondern die niedrigste Gefährdungskategorie dar. Nach § 3 BioStoffV lauten die vier Risikogruppen wie folgt:

  • Risikogruppe 1: Biostoffe, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie beim Menschen eine Krankheit hervorrufen;
  • Risikogruppe 2: Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können und eine Gefahr für Beschäftigte darstellen könnten; eine Verbreitung in der Bevölkerung ist unwahrscheinlich; eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung ist normalerweise möglich.
  • Risikogruppe 3: Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen können; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung kann bestehen, doch ist normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich,
  • Risikogruppe 4: Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung ist unter Umständen groß; normalerweise ist eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung nicht möglich.

Dem Auftrag der Biostoffverordnung zur Einteilung der Mikroorganismen in Risikogruppen kommt die TRBS 466 für Prokaryonten und Archaea nach. Schaut man sich die Technische Regel an, so stellt man fest, dass die überwiegende Mehrheit der Arten in die Risikogruppe 1 eingestuft, ist. Ein kleiner Teil wurde in Risikogruppe 2 eingruppiert und nur etwa drei Dutzend sind in Risikogruppe 3 eingestuft. In Risikogruppe 4 ist keine Art oder Gattung eingestuft worden. Positiv für den Leser der TRBA 466 ist die Kennzeichnung des Status als neu für „neu aufgenommene Spezies“ oder „Einst“ für Änderung der Einstufung. Dadurch findet sich der Leser schnell zurecht, Für andere Biostoffe gibt es ebenfalls Technische Regeln mit einer verbindlichen Einstufung.

Basis der Biostoffverordnung ist die EU Richtlinie 2000/45/EG, die eine erheblich kürzere Liste mit Einstufungen enthält, die selbstverständlich in den genannten TRBA berücksichtigt wurden. Die Einstufung eines Biostoffs in eine Risikogruppe stellt eine wesentliche Information für die Zuordnung in eine der vier Schutzstufen der BioStoffV dar. Beispielsweise muss ein Verzeichnis der Beschäftigten angelegt werden, die mit Biostoffen der Risikogruppe 3 und 4 ausgesetzt sind. Ähnliches gilt für Gefahrstoffe (s. o. TRGS 410).

Hintergrund-Informationen zur DGUV Information 201-022 „Handlungsanleitung für die Arbeit mit Geräten zur provisorischen Rohrabsperrung“: Bei Kanalsanierungen, Dichtheitsprüfungen an Kanälen, Umweltunfällen oder Neubaumaßnahmen müssen Kanalrohre abgesperrt werden, damit die Baumaßnahme im Kanal ordnungsgemäß durchgeführt werden kann. Versagt die Rohrabsperrung, entstehen tödliche Gefahren für die Personen in der Baustelle. Durch den plötzlichen Ansteigen des Fördermediums sowie freiwerdende Gase können sie Ertrinken, Ersticken oder Vergiftet werden. Weitere Gefährdungen sind Knall- und Drucktrauma beim Zerplatzen eines pneumatischen Dichtkörpers oder mechanische Verletzungen durch Getroffen werden durch die von der Flut fortgerissenen Absperrgeräte. Daher ist bei allen Kanalbaumaßnahmen in aktiven Kanälen höchste Aufmerksamkeit gefordert. Dichtkissen, Absperrblasen und andere Rohrabsperrgeräte müssen exakt an Rohrnennweite, Sperrdrücke und andere Verhältnisse vor Ort angepasst werden. Vor ihrem Einsatz sind sie auf augenfällige Mängel wie Risse, Formveränderungen oder Gewebeschädigungen zu prüfen. Es muss eine fachlich geeignete Leitung und Aufsicht vorhanden sein. Für jede Baustelle sind die Gefährdungen zusätzlich zu ermitteln und geeignete Schutzmaßnahmen sind unbedingt festzulegen. Dazu gehören auch Vorkehrungen zur Rettung und Ersten Hilfe. Für Dichtheitsprüfungen sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Nach Beendigung der Baumaßnahmen ist vor dem Ausbau der Rohrabsperrgeräte der Druck in der Leitung und ggf. innerhalb des Geräts vollständig abzubauen. Weitere einschlägige Regelwerke sind die DGUV Vorschrift 38 und 39 „Bauarbeiten“ sowie die DGUV Regeln 100-103 „Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen“ und 113-004 „Behälter, Silos und enge Räume- Teil I: Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen“. Darüber hinaus sind natürlich die einschlägigen Regeln des ATV/DWA und DIN –Regelwerks zu beachten. Diese DGUV-Information gilt nicht für Gasrohre. Für die Absperrung von Gasrohrleitungen ist die DGUV Regel 100-500 Kapitel 2.31 „Arbeiten an Gasleitungen“ zu beachten.

Hintergrund-Informationen zur DGUV Information 214-085 „Anforderung des Arbeitsschutzes an Lokomotiven„: Diese Schrift bietet eine Hilfestellung für alle Personen, die bei der Deutschen Bahn, anderen Bahnunternehmen oder Industrieunternehmen neue Lokomotiven bestellen, aber auch an die Hersteller von Lokomotiven. Ziel ist eine optimale Zusammenarbeit von der Erstellung des Lastenhefts beim Besteller über die Erstellung des Pflichtenhefts beim Hersteller und die Produktion bis zum Einsatz der neuen Lokomotive im Regelbetrieb. Gleichzeitig soll ein einheitliches Verständnis von Vorschriften und Regeln bei allen beteiligten Personen über Firmengrenzen hinweg erreicht werden. Das gelingt, weil Schutzziele, Forderungen aus den Regelwerken sowie bewährte Praxislösungen gegliedert nach den typischen Tätigkeiten eines Lokführers praxisorientiert aufgeführt werden. Dieses Vorgehen erleichtert das Verständnis für Personen, die eher „am grünen Tisch“ arbeiten, ungemein. Die geschilderten Tätigkeiten der Lokomotivführer reichen vom Auffüllen von Betriebsstoffen, Aufsteigen in den Führerstand über das Betreten des sogenannten „Berner Raums“ zwischen den Kupplungen bis zum Abschleppen von liegen gebliebenen Fahrzeugen. Zahlreiche Videos aus der Praxisrunden die Informationen ab. Neue oder abgeänderte Forderungen werden mit dieser DGUV Information nicht erhoben. Lediglich die vorhandenen werden praxisgerecht und prozessorientiert zusammengestellt. Fazit: Sehr empfehlenswert.

Hintergrund-Informationen zur DIN EN 1808 „Sicherheitsanforderungen an hängende Personenaufnahmemittel“. Diese harmonisierte Norm ist eine Typ-C-Norm. Sie konkretisiert Forderungen der EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG für hängende Personenaufnahmemittel (englisch „Suspended access equipment, SAE) und richtet sich vor allem an Konstrukteure und gibt Hinweise zur Berechnung, Konstruktion für Personenaufnahmemittel, Hubsysteme, Aufhängekonstruktionen, Steuersysteme, Prüfung und Zertifizierung sowie zur Kennzeichnung. Besteller sollten die aktuelle Ausgabe der Norm in der Bestellspezifikation aufführen. Die Ausgabe 2015 der Norm ändert die Fassung aus dem Jahre 2010. Für Betreiber gelten die TRBS 2121 Teil 4 „Gefährdungen von Personen durch Absturz – Heben von Personen mit hierfür nicht vorgesehenen Arbeitsmitteln“ sowie die DGUV Regel 101-005 „Hochziehbare Personenaufnahmemittel“ (ehemals BGR 159) .

Weitergehende Informationen sind im kostenpflichtigen NewsletterEntwicklung im Arbeits- und Gesundheitsschutz“ der Unternehmensberatung Stottrop zu finden. Fordern Sie noch heute Ihr kostenloses Probeexemplar durch ein Mail an js-02@stottrop-online.de an!