5 Fragen an Dipl.-Sportlehrerin Manuela Austen

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Manuela Austen ist Inhaberin des Studios WellComeFit in Köln-Weiß.

Stottrop: Frau Austen, viele Führungskräfte und Unternehmer würden gerne Sport treiben, schaffen es aber nicht. Was raten Sie diesen Personen?

Austen: Ich rate, die eigenen Prioritäten zu überprüfen. Eine gute Fitness verbessert nicht nur nachhaltig die Gesundheit, sondern erhöht auch die geistige Leistungsfähigkeit. Somit profitiert man gleich doppelt. Die Zeit für das Fitnesstraining sollte daher mit gleicher Priorität wie wichtige Meetings in den Timetable integriert werden.

Stottrop: Welche einfachen Übungen kann ein gestresster Manager ohne großen Zeitaufwand durchführen?

Austen: Dafür kann ich folgende Maßnahmen im Alltag empfehlen:

  • Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen; das Standbein dabei leicht beugen und strecken. Bei dieser Balance-Übung sollte man das Standbein täglich wechseln.
  • Treppensteigen statt Aufzug- oder Rolltreppe-Fahren;
  • Am Arbeitsplatz unterschiedliche Sitzmöglichkeiten einrichten: Am Schreibtisch auch mal auf einen fixierten Sitzball setzen oder am Stehpult arbeiten, alternativ einen Schreibtisch mit höhenverstellbarem Tisch benutzen.
  • So viel wie möglich zu Fuß gehen und dabei auf eine tiefe und gleichmäßige Atmung achten.
  • Einkaufstaschen auch mal längere Strecken tragen, dabei das Gewicht auf beide Seiten gleich verteilen.

Stottrop: Nach dem neuen Präventionsgesetz vom Juni 2015 sollen Firmen im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) die Themen Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung behandeln. Was raten Sie einem Unternehmen mit etwa 50 Beschäftigten?

Austen: Ich rate dem Unternehmen, zusammen mit einem BGF-Experten oder einem Sportlehrer ein kleines Jahresprogramm mit vier verschiedenen Kursen zu erstellen, die jeweils in einem Quartal angeboten werden können. In der Praxis hat sich bewährt, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Zeitaufwand teilen. Das heißt konkret, dass der Arbeitnehmer, der an einem solchen für ihn kostenfreien Programm teilnimmt, dafür die Hälfte seiner Mittagspause an einem Tag der Woche „opfert“. Er hängt einfach 15 Minuten an seine Arbeitszeit an und hat dafür schon auf der Arbeitsstelle ein sportliches Training absolviert. Kosten bis 500 € pro Mitarbeiter kann das Unternehmen steuerlich geltend machen. Die Inhalte umfassen Entspannungstraining, Stress-Management, ergonomisches Verhalten am Arbeitsplatz, Rückentraining und Life Kinetik.

Stottrop: Mich persönlich faszinieren Koordinationsübungen im Personal Training ganz besonders. Was soll damit erreicht werden?

Austen: Koordinationsübungen verbessern neben den körperlichen auch die geistigen Fähigkeiten zur Anpassung an neue Situationen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Life Kinetik, ein Bewegungsprogramm, das Koordination auf verschiedenen Ebenen fördert und so zu mehr Kreativität, Stressresistenz und Leistungsfähigkeit führt.

Stottrop: Was ist der Unterschied zwischen einem Sportstudio mit Krafttraining und einem Personal Training?

Austen: Im Sportstudio wird der Trainierende nach einer Einweisung in die Geräte sich selbst überlassen. Fehler können sich einschleichen. Ein lange gleichbleibender Trainingsplan wird im Laufe der Zeit nicht mehr mit der nötigen Aufmerksamkeit ausgeführt. Der Muskulatur fehlen neue Trainingsanreize und der Erfolg bleibt aus. Da man jederzeit kommen kann, lässt man das Training auch gerne mal schleifen und verschiebt immer weiter. Beim Personal Training hat man feste Termine. Ein Trainer widmet sich über die gesamte Trainingszeit dem Kunden. Fehler können sofort korrigiert werden. Trainingsfortschritte können unmittelbar aufgegriffen und Übungen angepasst werden. Weil der Trainierende stets unter Beobachtung steht, sind die Übungen effizienter. Beim Personal Training wird mit dem gearbeitet, was immer da ist: Schwerkraft und Körperhebel. Übungen können so leichter zu Hause nachgemacht und Aspekte wie Körperhaltung besser im Alltag umgesetzt werden. Fazit: Für Unternehmer oder Führungskräfte mit geringem Zeitbudget ist das Personal Training am besten geeignet.

Stottrop: Frau Austen, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Köln, im November 2015